Freitag, 1. Februar 2013
Fisch zum Frühstück
Logbuch 31.1.
Heute (endlich) die erste Tropennacht: Kein Ölzeug, alle Luken offen, etwa 10-12kt Wind von achtern und sternenklar. Delfine in der Abenddämmerung und nach Einbruch der Dunkelheit wo man nur die Spuren der leuchtenden Algen sieht, die sie hinter sich herziehen. Über dem Meer ist es recht diesig, die Sicht beträgt teilweise unter 2sm.
Nachmittags gabs Schokohörnchen und Cafe leche-leche, Abends Spaghetti mit extraleckerer Knoblauch-Tomaten-Jagwurst-Soße.
Nachtrag aus dem kalten Berlin im Oktober: Raymarine bietet einen Festpreisreparaturservice - für 156 Euro kann man den Windgeber reparieren lassen. Und wir hatten glücklicherweise der Versuchung widerstanden, das Ding einfach über Bord zu werfen und es statt dessen einige tausend Meilen bis nach Hause geschippert.
Also Rücksendemarke ausgedruckt, das Teil in ein Paket gepackt und nach England geschickt. Eine Woche später habe ich ihn zurück. Fehlerbeschreibung: "Corrosion at Cable", alles repariert, Rechnungsbetrag: 0.00Euro inklusive der Versandkosten. Klasse Service!
Mittwoch, 30. Januar 2013
Mindelo
Wir sind am frühen Morgen des 28. Legen wir mit freundlicher Hilfe von zwei Marineros an der Marina Mindelo an. Durchatmen, Lachen, ein leckers Glas Belvenie. Die Einfahrt in den Hafen erwies sich als sehr abenteuerlich, da es zum einen sehr dunkel war, die Beleuchtung, abgesehen von den tausenden sinnlosen Lichtern, quasi nicht vorhanden war und das GPS doch einen klaren Versatz zur Wirklichkeit aufwies. Aber Lukas hat uns mit Leos Unterstützung sicher an den vorgelagerten Fels und steilen Wänden vorbeimanövriert. Mindelo ist schon sehr afrikanisch und wohl aus Sicht der Zivilisation am weitesten von Zuhause weg. Die Leute sitzen auf der Straße und verkaufen alle die gleichen Sachen: Schuhe, Sonnenbrillen und einen kleinen Gaskocher. In den Läden gibt es viel buntes Plastezeug und bunte Klamotten. Auch Hello Kitty ist zahlreich vertreten. Sehr viel Krimskrams. Die Stadt ist aber doch recht sauber, was heißt sie stinkt nicht und die Müllberge halten sich in Grenzen. Die Leute sind nett und außer einem Angebot von frisch gefangenem Fisch wird man auch in Ruhe gelassen. Das Klientel der Segler hier in Mindelo unterscheidet sich doch recht deutlich von dem in Santa Cruz. Die langhaarigen Beutelhosen-Träger haben merklich zugenommen. Als Bachelorstudent im siebten Semester auf vier monatigem Segelturn kann man da nur mit dem Kopf schütteln. J
Nein sie sind ja ganz lieb und es wird fleißig gesungen und jongliert. Am interessantesten sind die Gefährte mit denen sie sich über den Teich bewegen wollen. Wo wir doch eher Wohnmobilstandard haben ist es bei ihnen das Zelt. Meine Haare sind auch schon fleißig gewachsen und nachdem mir auf dem Steg Weed angeboten wurde steht einmal mehr fest: Die Dinger kommen ab. Leo meinte zwar das ginge schon und ich könnte doch noch etwas auf dem leeren Ankerkettenfass herum trommeln und meine Sicht auf die Welt kund tun, aber genug ist genug. J
Heute werden noch ein paar Besorgungen gemacht und die saubere Wäsche abgeholt. Gegen 16 Uhr geht es dann wieder auf das Wasser.
Oh fast vergessen, kurz nach Sichtung der Cape Verde surrte unsere Angel los. Ich ergriff das gute Stück und fand einen recht kapitalen Fisch am Ende der Leine. Leider fand dieser nach 10 menütigem Drill und Hilfe der Windsteueranlage wieder den Weg in die Freiheit. Aber das Angelfieber war geweckt.
Liebe Grüße nach Hause
Chris
Die Überfahrt
Mit einem Traum Start, vier Gläsern Whiskey und somit mit einem wohlgesonnenen Rasmus, ging es raus auf die große weite See. Wie von Leo schon beschrieben wechselte das Wetter sowie der Gemütszustand der Crew recht häufig. „Ist das schön und gemütlich“ und „Warum tu ich mir den Scheiß eigentlich an?“ liegen manchmal nur eine Nachtwache auseinander. Aber beim Frühstück ist meistes alles wieder gut. Die angekündigte Barfuß-Route kann ich nicht bestätigen, denn in der Nacht und bei bewölktem Himmel wird es bei dem frischen Wind doch recht kalt. Und wenn dann in meiner Tageswache von 8 bis 12 Uhr so gegen 9:30 Uhr eine Welle entschließt das gesamte Cockpit einschließlich mich zu fluten, kommt Freude auf. Aber dem besorgtem Kopf von Lukas, der kurze Zeit später aus dem Schiebeluk erschien, wurde die Unversehrtheit der Crew und des Bootes versichert. Bei dem zweiten großen Brecher in meiner Wache war Lukas live beteiligt. Dieser drückte die Aura mit massiver Kraft auf die Seite und ein Großteil der Steuerbordseite wurde mit sechs Knoten durchs Wasser gezogen, was der Rettungsring samt Halterung nicht überlebte. Auch dieses Chaos wurde schnell beseitigt und obwohl mit etwas ehrfürchtigerem Blick auf die herannahenden Wellen wurde die Reise ungestört fortgeführt. Solche kleinen Schreckensmomente führen einem auch vor Augen wie gut und durchdacht die Aura entworfen wurde, denn mehr als einen Schreck gab es halt nicht.
Das Welle hier und das Welle da der Überfahrt wird durch gelegentliche Delphinbesuche, Walsichtungen und das Vorbeitreiben von Meeresschildkröten aufgelockert. Und wie von Leo schon beschrieben, gelegentlich wird so ein freundliches Meeresgeschöpf auch einfach mal voll übergebügelt. Was es genau war wissen wir nicht, aber ich dachte mir, da wählt man die umweltschonenste Art der Atlantiküberquerung und kriegt dann doch von Greenpeace eins auf den Deckel. Zum Schluss leibt: Wir hatten Vorfahrt!
Die Segelei macht einen riesen Spaß und es wird trotz manch flauem Magen viel gelacht. Den leckeren Kartoffelauflauf, welcher als erste Mahlzeit überhaupt dem Appetit der Crew nicht gewachsen war, seht ihr auf einem der Fotos. Tischetikette fehl am Platz. Alles wird aus Schüsseln gegessen und möglichst nur mit einer Hand. Die restlichen Verstrebungen am Körper werden für den sicheren Halt benötigt. Die zweistündigen Nachtwachen sind einsam und bieten viel Platz und Zeit für ausführliche Gedankenwanderungen. Da uns der treue Erdtrabant immer ein helles Licht schenkt, hat der Sternenhimmel ein Nachsehen. Aber auch dies wird sich sicher ändern. Bis dahin wird halt fleißig Schokolade und Kekse gemampft.
Das Vertrauen in unser viertes Crewmitglied wächst von Tag zu Tag. Es geht sogar so weit, dass sich die gesamte Crew auf dem trockenem Vordeck befindet und der Windpilot fleißig auch die größten Wellen ausreitet. Und den Kurs halten schafft er besser als ich J
Ich hoffe weiter auf viele freundliche und gute Wünsche von euch, bis jetzt haben sie viel gebracht.
Mit lieben Grüßen Chris
Der gewohnte Nachtrag
„Nur noch schnell den Spi-Baum gangbar machen!“ Mit diesem kleinen Satz von Leo wurde unsere Abreise von den Kanaren um lockere zwei Stunden verzögert. Wie bei so einem Boot in natriumchloridhaltiger Umgebung üblich, kann aus einer kleinen Sache etwas viel Größeres werden. So auch hier. Die Aufgabe: Befestigungssporn des Spi-Baums lösen. Da man weiß, dass dies mit etwas Überzeugung geschehen muss – Hammer mitnehmen.
Jetzt saß das Ding aber so fest, dass die Mimik demontiert werden musste, was einem Schraubenzieher und drei Schrauben das Leben kostete. Demontiert war‘s, nun saß der Sporn aber immer noch fest wie nichts Gutes. Obwohl unser wohlverstautes Werkzeug in einer überwältigender Vollständigkeit den Weg wieder an Deck gefunden hatte, fehlte dennoch das richtige „tool“. Also ab und den Hafen nach einer Stange absuchen. Ich fand eine mit deren Hilfe wir Sporn und Führung trennten. Leo erweiterte mit einer wunderbaren Vorrichtung aus Bohrmaschine, Splint und Schleifpapier den Innendurchmesser der Führung, Lukas bearbeitete den recht zerdöngelten Sporn mit einer Taschenmesserfeile und ich, ja ich, ich hab Bilder gemacht und bestimmt auch was ganz Tolles. Alles wieder zusammen basteln, Spi-Baum an Deck, Werkzeug unter Deck und Motor an.
Tschüss Teneriffa
Montag, 28. Januar 2013
Logbuch
21.1. Kurz nach Sonnenaufgang Regen. Nachlassender Wind, immer wieder Schauern, Aufenthalt größtenteils unter Deck. Die Bewölkung stellt unser Energieversorgungskonzept in Frage, der Plan war, allen notwendigen Strom, vor allem für den Kühlschrank mit Solarzellen zu erzeugen. Allgemeine Lethargie duch das heftige Dauergeschaukel, niemand hat Lust, die Fock gegen die Genua zu tauschen. Abends Nudeln mit Thunfisch-Käse-Mumpe und ein wenig Rotwein - die Seekrankheit scheint vorüber zu sein.
22.1. Nachts sternenklar, die Nachtwachen sitzen im vollen Ölzeug - so wirklich warm ist es nicht. Bei Sonnenaufgang wieder Wolken und Regen. Nachmittags weniger Woken, der Wind legt zu auf ca.25kt - endlich werden die Batterien wieder geladen. Abends den Baum aus der Fock genommen um das ständige Anluven des Bootes zu vermeiden und die Fock 8 Umdrehungen gerefft. Die Rollbewegungen sind recht heftig, es fällt schwer zu schlafen, alle sind ziemlich müde.
23.1. Endlich Sonne aber auch hefiger Wind, Böen bis 32kt. Dazu von achtern ein sportlicher Seegang, im Mittel 4m hoch, größten Wellen sind locker höher als 5m, das Ganze bei Wellenperioden um die 8Sekunden, also recht steil. Das Steckschott wird geschlossen, nun gibt es "drinnen" und "daußen", draußen wird man nass und drinnen seekrank. Es gibt Reis mit Tomatenirgendwas, so recht schmecken will es keinem - so richtig vorbei ist es mit der Seekrankheit wohl doch noch nicht.
24.1. Warm und sonnig, Wind immer noch 25-30kt. Die Wellen werden immer imposanter. Wir sind mit einem kleinen Wal oder einer großen Schildkröte kollidiert - es fühlte sich an wie ein kräftiger Wellenschlag von vorn, danach trieb ein etwa 2m großes, graugrünes Ding Steuerbord an uns vorbei.
25.1. Eine Welle findet den Weg durch das offensichtlich nicht 100%ig geschlossene Schott, nun also auch ordenlich Nässe unter Deck. Nach dem Frühstück gibts dann eine weitere, die unseren an der Reling angebrachten Rettungsring zerbricht und die (zusammengeklappte) Sprayhood verbiegt. Beim beseitigen des kleinen Chaos schwimmt zu Belohnung ein ca. 10m langer Wal kurz hinter unserem Heck durch. Wir nhemen den Außenborder von der Reling und stauen ihn in der Hundekoje, bevor eine weitere Welle ihn wohlmöglich mitnimmt. Noch immer hält sich der Appetit in Grenzen - es gibt mal wieder Nudeln mit Dosenalbondigas.
26.1. Der Wind lässt schon früh auf 20-22kt nach, der Aufenthalt an Deck ist wieder möglich ohne permanent geduscht zu werden. Daher auch ausgiebiges Frühstück mit Geburtstagskuchen für Lukas, wenn wir auch große Teile des Essgeschirrs mit Schraubzwingen gegen verrutschen sichern müssen. Danach werden alle möglichen Klamotten zum trocknen rausgehängt, angesichts der doch hin und wieder eintrudelenden Brecher ein riskantes Unterfangen - es geht aber (fast:-) gut. Nachmittags Tacos mit Guacamole, abends Reis mit Paprika.
27.1. Schönster Segelsonntag - Wind zwischen 18 und 22kt, die Fock wird komplett ausgerollt und auch mal wieder per Hand gesteuert, bisher hat uns der Windpilot gefahren. Es geht mit gut 6.5kt Fahrt dahin, gegen 18Uhr sehen wir Santo Antao, die zweitgrößte Insel der Cape Verden. Bis zum Etappenziel Mindelo auf Sao Vicente sinds noch 35 Meilen. Es gib Kartoffelauflauf mit Käse und Paprika - zum ersten Mal seit einer Woche ist die zubereitete Portion zu klein, alle haben noch Hunger, das wars dann wohl endgültig mit der Seekrankheit. Gegen 2Uhr am Montag früh laufen wir in Mindelo ein.
