Montag, 29. Juli 2013

Terschelling


Wir haben beschlossen, noch eine Nacht auf Terschelling zu bleiben um die Aus- und Einblicke zu genießen, sowie Kräfte für den nächsten langen Schlag zu sammeln.

Heute wieder Hafenkino für uns...
Der Hafenmeister hilft den dicken Segelbooten - die meisten sind kaum so lang wie die Aura, aber doppelt so breit - mit seinem als Schlauchboot getarnten Hafenschlepper beim Einparken, obwohl fast alle mit Bug- und Heckstrahlruder ausgerüstet sind.
Warum haben wir ihn gestern erst so spät getroffen?

Übrigens ist beim Lästern eine Beschreibung "Guck' mal, da auf dem holländischen Boot..." gelinde gesagt unnütz, wir gehören hier zu den wenigen Exoten, die es gewagt haben, durchs Watt auf die Insel zu kommen.

Beim heutigen Inselrundgang traf uns ein Anruf aus Berlin: "Macht mal ein bißchen schneller, das Schiff läuft voll." Welch Glück, eine funktionierende Telemetrieabteilung am Heimatstützpunkt zu haben!
Wir hatten aber nur vergessen, nach dem morgendlichen Umparken mit Maschinenhilfe, die Wellendichtung zu schmieren.

Das Umparken war notwendig geworden und mit gewisser Eile verbunden, nachdem der zuvor recht freundliche holländische Nachbar etwa fünf Sekunden nach seiner Ankündigung auslaufen zu wollen, seine Maschine anwarf, fünf Sekunden später alle Leinenverbindungen des ganzen Päckchens kappte und mit Volldampf den Hafen verließ.
Er hätte den halben Vormittag Zeit gehabt, um sein Vorhaben anzukündigen.
Na warte, wir sehen uns in irgendeinem Hafen wieder...     ,:-[

Zum Abendessen gibt's Fisch, den wir frisch "gefangen" haben.

Euch wünschen wir einen schönen warmen Montagabend in der Pichelhütte -ähh - Wassersportheim an der Scharfen Lanke (Finanzamt liest mit),
Grüße von der Aura.

Sonntag, 28. Juli 2013

Nach Terschelling durch die Nacht


In Den Haag haben wir gestern nachmittag abgelegt, da für die Nacht Wind aus günstiger Richtung vorhergesagt war.

Zunächst Flaute, das hieß, unter Motor zu reisen...
Wir sind dank der Tide dennoch sehr gut und schnell vorangekommen, sodass wir vor dem Wattenmeer in der Nacht noch Fahrt wegnehmen mussten, weil man ohne Ortskenntnisse nur bei Tag den Sinn der hundert Tonnen erkennen kann.

Dann kam kurz vorm Wattenmeer Wind auf, zwar aus der richtigen Richtung, aber anfangs 6 Bft, Böen 7, später 7 Bft, Böen 8...

Daher immer noch unter Maschine Slalomkurs durchs Watt. Beim Slalomkurs ist hier aber zu bedenken, dass ein paar Meter hinter der Fahrwassertonne die Möven im Wasser stehen und grinsen.

Das letzte Stück vor Terschelling ist richtig eng und gewunden (kann man in Google Maps im Satellitenbild nachvollziehen) und es hat immer noch mächtig geweht. Als wir kurz vor der Einfahrt in die Enge von einer herauskommenden Fähre aufgehalten wurden, fing die Maschine an zu stottern, weil durch das heftige Geschaukel die Treibstoffversorgung im leerer werdenden Dieseltank nicht mehr sichergestellt war.

Ablaufen im Watt... und tanken aus 20-Liter-Kanistern...
Glücklicherweise hatten wir das ja schon mal geübt. Dennoch ist dem Tankwart Steyler die gelbe Brühe wieder überall hingelaufen... und Diesel brennt in den Augen.   =8-0    Geruch zweirangig, echt!
Als wir alles wieder im Griff hatten, kam der Hafenlotse angebraust, um nachzusehen, ob alles OK ist - Daumen hoch und weiter.

Ein neuer Anlauf für die Enge hat dann funktioniert. Als wir dann mit bösem Rückenwind in den Hafen einliefen, wurden wir gewahr, dass gerade ein Event mit Holländischen Großholzschuhseglern - oder wie die heißen - läuft.
Hafen rammelvoll, das Satellitenbild trügt diesmal, muss im Winter aufgenommen sein.

Wenden mit der Aura bei derartigem Wind auf engem Raum war ein Kunststück, das Nous vollbringen musste. Als wir danach ratlos im Vorhafen auf und ab fuhren, kam glücklicherweise der Hafenmeister mit seinem Schlauchboot in strengem Galopp angeritten, weil er meinte, wir wollten die Hafengebühr prellen und gerade abhauen. Nach Aufklärung der Lage war er aber sehr freundlich, eskortierte uns zu einem Liegeplatz, den man auch vorwärts anlaufen konnte und räumte sogar quergespannte Leinenhindernisse aus dem Weg. Bremsen ging auch gerade noch...

Unterhaltungswert für die schon gestern bei Flaute Eingelaufenen - hoch.
Wirkliche Schäden - außer am Selbstbewußtsein und `ner Beule an Steylers Kopp - keine.

Jetzt reicht's, Mittach!... Heia machen...

Gruß Nous und Steyler

Freitag, 26. Juli 2013

Schevenigen / Den Haag


Heute war entspannte Motortuckerei angesagt. Kein Wind - Schleusenfahrt - enges Fahrwasser mit Untiefen - kein Wind - Queren der Hafeneinfahrt von Rotterdam unter Traffic-Control - sorgten dafür.

Im Yachthafen von Schevenigen / Den Haag herrscht drangvolle Enge, die nächsten, die noch reinkommen, müssen nicht mehr festmachen, sondern nur noch ihre Fender dazwischen zwängen.

Aus Feuerschutzgründen müssen alle mit dem Bug in Richtung Hafenausfahrt liegen. Rückwärts Einparken ist also gefragt.

Deshalb ist Hafenkino vom feinsten angesagt. Wir haben uns übrigens NICHT blamiert.

Es wird also "zuhause" gegegessen, Nous bereitet schon das Essen vor.

Gruß, Nous & Steyler

Donnerstag, 25. Juli 2013

Tonnendialog...

... in flachem holländischen Fahrwasser.

Nous unter Deck an der Karte, Steyler am Steuer mit Fernglas bewaffnet, beide sind sie auf der Suche nach Orientierung...

N.: Hast Du die Fahrwassertonne?
St. greift sich das Fernglas und sucht nochmal... Und endlich: Ja, da ist was!
N. von unten: Was denn für eine?
St.: Eine rot-weiße.
Stille in der Navi-Ecke.
St.: Eine Ansteuerungstonne!
N.: Hähh? Was? Kann nicht sein.
Diesmal die Pause oben...
St.: Moment mal, die hat ein Toppzeichen.
N.: Kannste das erkennen?
St. peilt wieder: Sieht aus wie ein Kreuz.
N.: Nee, die mit dem Kreuz sind gelb!
St.: Ist ja auch kein diagonales Kreuz, sondern, ähhh, eher wie ein eisernes Kreuz.
Wieder verwunderte Stille unten.
Doch fünf Minuten allgemeine Verwirrung später, St. von oben:
Ich hab's, das ist Deine rote Fahrwassertonne. Aber die ist von oben total vollgeschissen...
Und obendrauf sitzt ein Kormoran und trocknet...

Glücklicherweise passt der Kurs noch immer.

Grüße von der Aura, Nous & Steyler

Mittwoch, 24. Juli 2013

Noch Fragen? (*)

Grüße von der Aura

(*)
Bei Fragen, Hinweisen, Beschimpfungen etc. bitte den Kommentarbutton unter diesem Artikel drücken...
Es werden übrigens noch Mitsegler gesucht.

Dienstag, 23. Juli 2013

Die Herausforderungen...

... der letzten Tage waren eher technischer Art.

Man glaubt es kaum, welch Ärger ein bisschen fehlendes Fett bereiten kann.
Die Motorwelle der Aura muss eine französische sein, sie leckt...
Nach ein paar Seemeilen unter Motor muss die Wellendichtung mit etwas Schmierfett versehen werden, damit im Stillstand kein Wasser eindringt. Zu diesem Zwecke ist eine manuelle Fettpresse eingebaut, mit deren Hilfe man durch ein paar Umdrehungen an einer Knebelschraube die benötigte Schlatze ((c) Leo) in die Dichtung drückt. Ganz einfach.
Nur irgendwann ertönt der Ruf von unten: "Fett is alle!" Und das Wasser rinnt.
Steyler versucht, den Mechanismus zu zerlegen und nach einer halben Stunde Würgerei im kleinen Schapp hinter der Navi-Ecke rinnt auch bei ihm mächtig das Wasser. Aber der Deckel ist schon mal lose.
Nous bewaffnet sich mit Stirnlampe und taucht ab. Endlich gelingt es ihm, den Kolben der Presse zu ziehen: Flupp. Klatsch!
Graugrünes Marinefett ist auch im frischen Zustand nicht besonders lecker. Das neue Fett muss jetzt mit dem Küchenmesser aus der Dose gekratzt und in die Schmierpresse befördert werden. Nachdem dies gelungen ist, wird der Mechanismus wieder zusammengebaut, das Lager geschmiert und die Kollateralschäden beseitigt.
Welch Glück, dass Nous schon vorher geduscht hat.   ;-)

So konnte heute der nicht allzu lange Weg nach Zeebrugge in Angriff genommen werden.
Da wir uns inzwischen mit den Tiden, den Un-Tiefen und dem Strom auskennen, konnten wir den Tag mit einem entspannten Zeitplan beginnen. ("Lass mal auf Flut warten...")
Außerdem ist der Weg von Oostende nach Zeebrugge nicht weit, wir hätten ihn auch mit der Kusttram erledigen können, die nehmen aber keine Boote mit.

Direkt in der Hafeneinfahrt von Zeebrugge sorgte dann Leo (genauer: CMA CGM LEO) nochmal ein wenig für unruhiges Fahrwasser. Als wir uns jedoch im großen Hafen von Zeebrugge zurecht gefunden hatten und die anderen großen Schiffe aus dem Weg waren, konnten wir den feinen Liegeplatz im Royal Belgian Sailing Club ansteuern. Hier ist eben vieles königlich.

Zeebrugge selbst ist mehr ein wenig verschlafen, eben der Hafen von Brügge mit ein paar Häusern drumherum.

Apropos verschlafen...

Grüße von der Aura
Nous & Steyler

Belgien erreicht


Nous konnte heute wieder eine neue Gastlandsflagge unter der Steuerbordsaling setzen: Belgien.

Wir haben heute unter Motor fahrend Oostende, die "Königin der Seebäder", erreicht und unser Plätzchen beim Royal Yachtclub Oostende gefunden.

Die Strandpromenade von Oostende ist so breit, dass sie einem mittleren Flughafen als Start- und Landebahn dienen könnte, aber vieeel länger. Von einem Ende konnten wir das andere Ende nicht erfassen, da es nach vielen Kilometern im Dunst verschwand (von Land aus!). Eine unglaubliche Anzahl von Touristen flaniert dort. Natürlich nicht alles Belgier, sonst wäre Restbelgien leer und die Promenade noch nicht mal halb so belebt. Uns fielen unheimlich viele sonnenbrandverwöhnte, eigentlich hellhäutige Menschen auf. Klar, ist Montag, freitags ist Schichtwechsel.  =8-)

Nach unserem Abendessen, der lokalen Fastfoodspezialität Frikandel & Frietes, sind wir auf die Aura zurückgekehrt und schauen der "Kusttram", einer 68 km langen Überlandstraßenbahn auf der einen Seite des Liegeplatzes zu und lauschen einem riesigen Saugbaggerschiff auf der anderen Seite, das für uns Seefahrer die Fahrrinne mit Getöse freihält. Wenn die Arbeiten, die einen anständigen Unterwasserschall von polternden Steinen aussenden, anhalten, wird das eine "lauschige" Nacht.

Mövenfüttern übrigens wird hier in Oostende aus gutem Grund mit 250 Euro Bußgeld belegt.

Die derzeitige Aura-Crew

P. S.: Vielen Dank für die Grüße vom Hüttenmontagabend, die uns heute über Leo erreicht haben.